Drama nach Mass.

Licht und Schatten. Warm und kalt. Hell und dunkel. Jede Lichtstimmung lebt von einem charakteristischen Zusammenspiel dieser gegensätzlichen Paare. Neuco beherrscht dieses Spiel perfekt. So setzen wir Akzente – und schaffen Dramatik.

Die Reihen im Opernhaus sind bis auf den letzten Platz besetzt. Pünktlich gehen die Lichter aus – das Stimmen­gewirr des Publikums verstummt. Dann erklingen aus dem Orchestergraben die ersten Töne. Der Vorhang hebt sich und das elegante Bühnenbild erscheint. Mittendrin und hell erleuchtet: die Solistin. Sie singt von Liebe, Herzschmerz und Intrigen. Die Dramatik ihrer Darbietung ist mit allen Sinnen spürbar. Verantwortlich für den Gänsehaut-Moment ist zweifellos ihre Stimme. Genauso entscheidend ist aber auch die dramatische Lichtinsze­nie­rung auf der Bühne. Letztere ist ein elementares Werkzeug in der Lichtplanung, um gezielt Akzente zu setzen.

Kontrast schafft Dramatik

«Ob in der Oper, beim Museumsbesuch oder ganz einfach beim Sonntagsspaziergang in der Natur: Alles, was wir sehen, lebt von hellen und dunklen Flächen in allen erdenklichen Schattierungen», beschreibt Thomas Lack, Leiter Lichtanwendung bei Neuco. «Je grösser der Kontrast und die Trennschärfe zwischen den Helligkeits­abstufungen, desto dramatischer die Wirkung.» Doch warum nehmen wir Hell und Dunkel überhaupt als Hell und Dunkel wahr? Grundsätzlich gibt es dafür zwei mögliche Ursachen. Der Lichtexperte erklärt: «Erstens entstehen Helligkeitsdifferenzen durch die ungleich­mässige Reflexion von Licht auf verschiedenartigen Ober­flächen. Das heisst: Ein weisses, glattes Objekt reflektiert Licht viel stärker als ein dunkler, rauer Gegenstand – und wirkt darum für unser Auge heller. Zweitens werden Lichtstrahlen unterschiedlicher Intensität auch unter­schiedlich stark reflektiert – sogar bei der Reflexion an einer absolut homogenen Fläche.»

Allein der Blickwinkel des Betrachters kann den Wert verfälschen.

Differenzen quantitativ bewerten

Mit dem Ziel, die Helligkeitsdifferenzen einer Lichtsituation quantitativ zu bewerten und vergleichbar zu machen, schuf man in den Achtzigerjahren den sogenannten Kontrastwiedergabefaktor (CRF). Dieser hat sich jedoch bis heute nicht wirklich durchgesetzt. Denn er lässt sich nur in komplexen, aufwendigen Verfahren berechnen. «Seine Präzision hängt von unzähligen Faktoren ab, die sich nicht vollständig kontrollieren lassen. Allein der Blickwinkel des Betrachters, der sich beispielsweise beim Besuch einer Ausstellung laufend verändert, kann den Wert verfälschen», sagt Thomas Lack. Demnach ist der CRF-Wert für Lichtplaner ein eher ungeeignetes, allzu kompliziertes Instrument, um Kunden eine geplante Lichtstimmung schon vor der Umsetzung verständlich zu machen. Ein einfacheres und erprobtes Werkzeug sind hingegen Referenzbilder und Visualisierungen. «Gute Aufnahmen realisierter Projekte helfen unseren Kunden dabei, sich die geplante Lichtidee vorzustellen. Manchmal wird auch mit realitätsnahen 3D-Visualisierungen gearbeitet. Doch auch diese können die tatsächliche Situation niemals exakt wiedergeben. Und sie sind je nach Detaillierungsgrad sehr kostenintensiv.»

Fünf Wahrnehmungsstufen

Um die Helligkeitsunterschiede einer Lichtsituation auch ohne CRF klar zu definieren, wendet Neuco seit vielen Jahren eine Methode an, die sich in der Praxis bewährt hat. Dabei wird jede Szene einer von insgesamt fünf Wahrnehmungsstufen zugeordnet. Von «Normativ nicht sichtbar» über «Leicht theatralisch» bis «Dramatisch». «Das Besondere an unserer Methode ist die Tatsache, dass sie sich nicht auf abstrakte physikalische Fakten bezieht, sondern hauptsächlich auf unsere Wahrneh­mung», beschreibt Thomas Lack das Vorgehen. Und so funktioniert das Ganze: Die Lichtexperten messen, um wie viel eine akzentuierte Stelle heller wirkt als ihre Umgebung. Ist sie beispielsweise fünfmal heller, spricht man von einem «Sichtbaren Akzent». Bei einem fünf­zigfachen Helligkeitsunterschied gilt die Szene als «Theatralisch». So lässt sich die Wirkung einer Licht­situ­ation beschreiben, planen, beeinflussen und individuell abstimmen.

2 x heller ist normativ nicht sichtbar
5 x heller ergibt einen sichtbaren Akzent
20 x heller wirkt bereits theatralisch
50 x heller ist eine theatralische Lichtstimmung
Über 50 x heller wird für dramatische Inszenierungen verwendet

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Kunstwerk, das in einer Halle steht und in der sogenannten «Lichtsuppe» beinahe untergeht, soll theatralisch inszeniert werden. Demzufolge muss der Helligkeitseindruck im unmittelbaren Umfeld des Exponats um das Fünfzigfache kleiner sein als auf dem Objekt selbst. In einem ersten Schritt werden also die Reflexionsgrade von Objekt und Umfeld ermittelt. Dann misst man die bestehende Beleuchtungsstärke – direkt auf dem Objekt und im unmittelbaren Umfeld. Daraus kann der neue Sollwert berechnet werden. Schliesslich wird die Beleuchtung mit passenden Lichtwerk­zeugen umgesetzt und vor Ort final abgestimmt. Viel Know-how und Erfahrung im Umgang mit Licht sind dabei massgeblich, um den gewünschten Effekt zu erzielen, alle Normen einzuhalten und zugleich sicherzustellen, dass das lichtem­pfind­liche Kunstwerk nicht zu stark belastet wird.

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